Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde der Abtei Frauenwörth,

am 26. Februar 2026 jährt sich der Tod von Alois Glück zum zweiten Mal. Für unseren Freundeskreis ist dieser Tag mehr als ein Datum: Er erinnert uns an einen Menschen, der Frauenwörth nicht „begleitet“ hat – sondern sich über viele Jahre verantwortlich an die Seite des Konvents gestellt hat.

Alois Glück war ein Ausnahmepolitiker: gebildet, ruhig, präzise, mit einer seltenen Fähigkeit zur Vermittlung. Er war 38 Jahre Mitglied des Bayerischen Landtags, Präsident des Bayerischen Landtags (2003–2008) und später Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (2009–2015). 
Doch wer ihn nur über Titel beschreibt, verfehlt das Entscheidende: Er dachte Politik als Dienst am Gemeinwesen – mit Blick auf das, was Menschen zusammenhält:
Verantwortung, Solidität, Respekt, und das stille Rückgrat von Gemeinschaften.
Für Frauenwörth begann vieles mit einer einfachen, dringlichen Botschaft: „Die Schwestern auf der Fraueninsel brauchen Unterstützung.“ Mit diesen Worten trat der damalige Priener Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger an Alois Glück heran. Aus der Sorge um die wirtschaftlichen Grundlagen der Abtei – ausgelöst durch Veränderungen im Schulwesen und die Schließung des Internats – entstand eine Idee, die bis heute trägt: die Gründung unseres Freundeskreises im Februar 1994.
Alois Glück hat dieses „Schiff“ – wie er selbst es nannte – 16 Jahre lang geführt. 
Und er hat dabei nie den einfachen Weg gewählt. Für ihn mussten Lösungen „klosterverträglich“ und „inselverträglich“sein: tragfähig, aber dem Ort angemessen; wirtschaftlich, aber ohne den Charakter von Kloster und Insel zu beschädigen. Aus vielen Gesprächen, Prüfungen und auch verworfenen Ansätzen entwickelte sich Schritt für Schritt eine Perspektive, die bis heute die Basis unserer Stabilisierung ist: die Nutzung bisheriger Räumlichkeiten für Seminarbetrieb, mit Fremdbelegungen und eigenen Veranstaltungen.

Dass diese Entwicklung möglich wurde, war nicht Zufall – sondern Ergebnis von Struktur, Netzwerk und Beharrlichkeit. Alois Glück brachte Menschen zusammen, die selten an einem Tisch sitzen: Verantwortliche aus Kirche, Politik, Verwaltung, Region und Wirtschaft. In enger Abstimmung mit der damaligen Äbtissin Domitilla und der Cellerarin Sr. Benedikta wurden Planungen, Finanzierung und wirtschaftliche Grundlagen erarbeitet – bis hin zu professionellen Konzepten und Investitionen.
Ein entscheidender Schritt war die Unterstützung durch engagierte Partner aus der Wirtschaft, die – über Kontakte und Vertrauen – Spenden in Millionenhöhe ermöglichten und damit Ausbau und Modernisierung von Zimmern und Vortragsräumen für den Seminarbetrieb mittrugen.

Als Alois Glück 2011 den Vorsitz übergab, wurde deutlich, was er aufgebaut hatte: nicht ein „Projekt“, sondern eine tragfähige Gemeinschaft. 
Sein späterer Ehrenvorsitz war Anerkennung – und Verpflichtung zugleich: weiterzuführen, was er begonnen hatte, mit dem gleichen Maß an Ernsthaftigkeit, Respekt und Verantwortung.

Wir erinnern heute an Alois Glück, weil wir ihm viel verdanken. Aber auch, weil sein Beispiel uns etwas aufträgt: Frauenwörth braucht Unterstützung – nicht laut, sondern verlässlich. Genau das ist der Sinn unseres Freundeskreises: die Abtei auf ihrem Weg in die Zukunft zu begleiten, wirtschaftliche Stabilität zu fördern und dabei den geistlichen und kulturellen Ort Fraueninsel zu bewahren.

Im Namen des Vorstands danke ich Ihnen allen für Ihre Mitgliedschaft, Ihre Treue und Ihre konkrete Hilfe. Wenn wir Alois Glück gerecht werden wollen, dann nicht nur mit Worten – sondern indem wir die Arbeit, die er so klar strukturiert und menschlich geprägt hat, mit gleicher Haltung weitertragen.

In dankbarer Erinnerung
Annemarie Biechl

Vorsitzende des Freundeskreises Frauenwörth

© Freundeskreis Frauenwörth

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